// Relievo

/ Heiko Räpple /

 – Nov 14 – Dec 23
 – vernissage: Nov 13, 7:00 pm

HEIKO RÄPPLE – Relievo

In Ihrer Ausdehnung lässt sich die Bildhauerei in zwei Formen einteilen – die Rundplastik und das Relief. Letzteres erscheint hier immer als Zwitterwesen, das sich als bildhauerisches Element der Architektur unterordnet oder als Wandrelief Züge eines Tafelbildes aufweist.

Wo Heiko Räpples Wandreliefs bisher ganz klar die Beziehung zum Raum suchten und eindeutig der Bildhauerei zuzuordnen waren, und seine Plastiken andersherum reliefartige Oberflächen aufwiesen, folgen seine neuen Arbeiten vielmehr den Eigenschaften eines „Relievo Schiacciato“ – dem “gequetschten” bzw. platten, ja schwachen Relief, dessen Konturen nur ganz fein in die Gussform eingeritzt sind und das Relief damit grafische Züge aufweist.

In seiner Einzelausstellung “Relievo” in der Galerie Martin Kudlek zeigt Räpple schwarze, weiße und graue Tafeln aus Glasfaserbeton oder Porzellangips, die lediglich 1,5 bis 2 cm stark sind. Der Körper und damit die Beziehung des Objekts zum Umraum treten hier zugunsten der Fläche zurück. Die gegossenen Platten liegen plan an der Wand, scheinen sich sogar leicht durchzubiegen, haben fast Blattcharakter. Sie werden mit den feinen Linienritzungen quasi zum Bildträger einer Zeichnung. Nicht nur farblich und technisch konzentriert und reduziert der Düsseldorfer Bildhauer die Werke und ihren Entstehungsprozess auf das Wesentliche. Insbesondere die Form bzw. das Medium erscheinen hier wie ein Austesten: Inwieweit kann die plastische Qualität eines Werkes zurücktreten, bis es aufhört, Bildhauerei zu sein? Wo endet also die Bildhauerei, wo fängt das Bild an?

Form und Inhalt unterstützen sich hier gegenseitig: Der technische „Pragmatismus“ wie die grafische Strenge werden durch eine geometrische Formensprache untermauert, eine Motivik, die an modernistische, ja konstruktivistische Ideen von der Loslösung jedweden Pathos denken lässt. Wo in früheren Arbeiten Räpples die klassische Bildsprache im Vordergrund stand und damit automatisch historische Bezüge einhergingen, fügen sich hier nun erstmals Dreiecke, Rechtecke, Linien und Diagonalen aneinander.

Feine Überlagerungen und Staffelungen, die sich aus der Bearbeitung der Gussform ergeben, lassen den skulpturalen Charakter des Reliefs lediglich subtil sichtbar werden, um gleich darauf wieder als grafische Komposition zurückzutreten. Eleganz und Strenge vermischen sich mit der Rohheit und Sperrigkeit des Handwerks, das sich in Rückständen und Nähten des Arbeitsprozesses manifestiert hat. BRZ und PWG – die Titel der Serien formulieren nicht mehr als die Abkürzungen des jeweiligen verwendeten Materials und unterstreichen noch einmal mehr die den Werken und dem Arbeitsprozess eingeschriebene Reduktion und Konzentration.