// REALITIES OF ABSTRACT SPACE

/ Thomas Böing /

 – Jun 22 – Jul 31
 – vernissage: Jun 21, 7:00 pm

Mit der Einzelausstellung „REALITIES OF ABSTRACT SPACE“ zeigt die Galerie Martin Kudlek neue Fotoarbeiten und Skulpturen des Kölner Bildhauers Thomas Böing.

Böings Cut-Outs sind als skulpturale Objekte zu verstehen. Er behandelt das zweidimensionale Material als etwas Dreidimensionales, in der aktuellen Ausstellung ist es Papier und Alu-Dibond. Durch Ausschnitte, die sich auf die abgebildete Raumsituation beziehen, bearbeitet er das Material und schafft er neue Bilddimensionen. Er entfernt Türen und Fenster aus architektonischen oder Kunstwerke aus musealen Räumen oder Messequartieren. Hier entstehen räumliche Leerstellen, die lediglich durch die dahinter liegende Wand gefüllt werden. Doch dieser scheinbar destruktive Eingriff entwickelt sich bei Böing zu einem konstruktiven, denn durch das Herausschneiden schafft er neue Bildsituationen, die den Betrachter auf neue Ebenen verweisen. Mit etwas Abstand zur Wand aufgehängt, werfen die fotografischen Scherenschnitte Schatten auf die Wand des Ausstellungsraumes, die die Leerstellen der herausgeschnittenen Fenster, Türen und Exponate füllen und so Teil des Bildes werden. Eine räumliche Ebene entsteht, die Fragen nach Außen und Innen, Vorder- und Hintergrund, Realität und Fiktion, Schein und Sein, Licht und Schatten sowie Bild und Abbild aufwirft.

„REALITIES OF ABSTRACT SPACE“ zeigt neue großformatige Fotomotive auf Alu-Dibond. Mit einer Höhe von 1,40 m nehmen die Arbeiten fast reale Maße an. Durch die Ausschnitte erwecken sie nahezu die Illusion, die abgebildeten Räume betreten zu können. Der Betrachter wird in eine abgebildete „Wirklichkeit“ geleitet und doch führen ihn die Ausschnitte zurück auf die leere Wand und somit zurück in den realen Raum, in dem er sich befindet.

Ergänzt werden die Cut-Outs durch neue Skulpturen, die Böing aus Rigips baut das als modernes Material für den schnellen Bau von Wänden gedacht ist. Böing nutzt es hingegen für kleinteilige Raummodelle, in denen sich Modell und Wirklichkeit vermischen sowie die Frage nach Realität oder Fiktion aufgeworfen wird. Denn in den kleinen architekto-nischen Modellen sind Filme von realen Situationen eingebaut, sei es die U-Bahn-Unterführung, Bilder auf der Museumswand oder die Reflektion des nächtlich laufenden Fernsehers im Raum. Gelegentlich laufen Personen durch die Situation und wirken in diesem Kontext wie Schauspieler.

Janika Weber

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