// BRANDT

/ Sofie Muller /

 – Mar 28 – Apr 27
 – vernissage: Mar 27, 6:00 pm

Sofie Muller | brandt
28.03. – 27.04.2013

Special joint reception night during Art Cologne, April 19, 2013, 18 h

Mit der Ausstellung „Brandt“ zeigt die Galerie Martin Kudlek erstmals eine Einzelausstellung der belgischen Künstlerin Sofie Muller, deren herausfordernde Aussage und hohe Ästhetik den Betrachter auf vielerlei Ebenen begegnet und anspricht.

Im Eingangsbereich an seiner Jacke an der Wand aufgehangen findet sich die Skulptur „Jonas“. Der Kopf liegt auf der Brust, der Blick ist auf den Boden gerichtet, die Mundwinkel hängen. Scheinbar als Bestrafung seiner Bewegungsfreiheit beraubt, weckt „Jonas“, dessen Name im biblischen Sinne auf Ungehorsam hindeutet, Erinnerungen an persönliche Kindheitsempfindungen.

Titel und zentrale Arbeit der Ausstellung ist die Figur „Brandt“. Der Körper aus Bronze, der Kopf aus Holz lehnt „Brandt“ an der Wand, reibt seinen Kopf an dieser entlang und hinterlässt dabei eine Kohlespur von verbranntem Holz. Es scheint als versuche er Erinnerungen, vergangene Erfahrungen vergessen zu wollen. Und doch hinterlässt dieser Versuch eine eindeutige Spur, ein völliges Vergessen scheint nicht möglich. Eine Erinnerung, eine Spur bleibt zurück. Schon mit der Wahl der Materialien und der Verarbeitung impliziert Muller dieses Zurückbleiben, denn Feuer ist ebenso unfähig alles zu vernichten, ohne eine Spur des Verbrannten zu hinterlassen.
Während der Entwicklung der Figuren war der Roman „Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury zusätzliche Inspiration. „Brandt“ kann daher durchaus mit dem Protagonisten „Montag“ in Bradburys Roman verglichen werden. In erster Linie ist „Brandt“ jedoch, ebenso wie die weiteren Figuren der Serie, als psychologisches Porträt zu verstehen.

An einem alten Schultisch sitzt „Clarysse“. Ihr Körper ist gebeugt, die Hände zum Kopf erhoben, als würde sie ihn greifen oder ihn abstützen wollen. Ihr Kopf fehlt, stattdessen ein Brandfleck auf dem Tisch. In der Namensübereinstimmung mit der Figur „Clarisse“ aus Bradburys Roman zeigt sich eine bewusste Entscheidung eine Verbindung hierzu herzustellen. Die Romanfigur „Clarisse“ ist ein lebensfrohes, neugieriges, aber auch sehr sensibles junges Mädchen, das eine Gabe besitzt, sich in andere Menschen hineinversetzen zu können und deren Verhalten zu ergründen. „Clarisse“ wird von diesen jedoch häufig als ungewöhnlich und komisch wahrgenommen.
Die Skulptur „Clarysse“ vermittelt Furcht, Sensibilität und Schmerz. Erinnerungen und Gedanken scheinen ausgelöscht worden zu sein. Lediglich ein Brandfleck bleibt zurück, eine Spur, die darauf hindeutet, dass Selbstzweifel und Angst ihre Spuren hinterlassen und nicht zu überwinden sind.

Seelisches wird in Mullers Figuren in Physisches transformiert und offenbart das persönliche Trauma eines jeden Heranwachsenden, dessen Erinnerungen und Erfahrungen auch im Erwachsenenalter noch Einfluss besitzen. Hier entsteht eine tiefe Verbundenheit des Betrachters mit den Figuren und offenbart die Sehnsucht nach Kindheit und den Versuch die kindliche Unschuld zu bewahren. Mullers Arbeiten zeigen ein Wechselspiel zwischen Verletzlichkeit, Traurigkeit, Zartheit und Lebendigkeit. Der Betrachter wird durch ihre emotionale Aussage persönlich berührt und an Erinnerungen und Erlebnisse herangeführt und lässt sich doch durch ihre zarte Schönheit zurück ins Leben ziehen.

Eine neue Serie Rauchzeichnungen ergänzt die Geschichten der Skulpturen. Lediglich aus Kerzenrauch und Wachs hergestellt, erscheinen sie in ihrer Zartheit und doch klaren Präsenz wie flüchtige Erinnerungen der Figuren.